Was ist
SIPARI®
Bei SIPARI® handelt es sich um eine
musiktherapeutische Behandlungsmethode für chronisch kranke Aphasiepatienten,
die von Dr. Jungblut in Zusammenarbeit mit der medizinischen Fakultät der
Universität Witten/Herdecke entwickelt und erprobt wurde. Sowohl anhand einer
kontrollierten Gruppenstudie als auch in Einzelfallstudien konnte die
Wirksamkeit dieser Therapie nachgewiesen werden.
In der Gruppenstudie, in der Aphasiker mit einer
durchschnittlichen Erkrankungsdauer von über 11 Jahren behandelt wurden,
zeigte sich, dass sowohl das komplette Leistungsspektrum der behandelten Patienten
(signifikante Profilerhöhung der kompletten Probandengruppe gemessen mit dem
Aachener Aphasie Test), als auch spontansprachliche
Fähigkeiten ebenso wie das Nachsprechen und das auditive Sprachverständnis
statistisch signifikant verbessert wurden. Bei mehr als 62% der chronisch
kranken Probanden konnte in mindestens einem Untertest des AAT eine
Verbesserung von > 12 Prozenträngen gemessen werden.
In den unten genannten Veröffentlichungen wird u.a. ein Globalaphasiker beschrieben, mit dessen Behandlung
mit SIPARI® 3 Jahre nach dem Ereignis begonnen wurde. Der Patient konnte sich
im Zeitraum von 20 Monaten sowohl in seinen spontansprachlichen
Leistungen als auch in den Testteilen „Token
Test“ (Verbesserung um 32 Prozentränge), „Nachsprechen“
(Verbesserung um 57 Prozentränge) und „Benennen“ (Verbesserung um 49 Prozentränge)
signifikant verbessern. Die follow-up Untersuchung
nach weiteren sieben Monaten ergab eine nochmalige signifikante
Leistungssteigerung.
Nach 5 Jahren Behandlung mit SIPARI® erfolgte
eine abschließende Untersuchung mit dem Aachener Aphasie Test, anhand derer
nochmals klinisch signifikante Verbesserungen nachgewiesen werden konnten.
Der Patient ist inzwischen wieder in der Lage, im Alltag Gespräche zu führen
und auch verbal am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.
Jungblut, M. & Aldridge, D. (2004): Musik als Brücke zur
Sprache – die musiktherapeutische Behandlungsmethode
“SIPARI®“ bei Langzeitaphasikern. Neurologie & Rehabilitation, 10 (2): 69-78.
Jungblut, M. (2005): Music
therapy for people with chronic aphasia: a controlled study. In:
Aldridge, D. (Ed.): Music therapy and neurological rehabilitation. Performing health. Jessica
Kingsley Publishers, London and Philadelphia, 189-211.
Jungblut, M. Gerhard, H. & Aldridge, D. (2006): Die Wirkung
einer spezifischen musiktherapeutischen Behandlung auf die sprachlichen
Leistungen eines chronisch kranken Globalaphasikers – eine
Falldarstellung. Neurologie & Rehabilitation 12 (6), 339-347.
Jungblut, M., Suchanek,
M., Gerhard, H.
(2009): Long-term recovery from chronic Global aphasia: a case report. Music
& Medicine, Vol. 1, No. 1, 61-69.
Jungblut, M.
(2009): SIPARI®: a music therapy intervention for patients
suffering with chronic, nonfluent aphasia. Music & Medicine", Vol. 1, No. 2., 102-105 .
Jungblut, M. (2010): SIPARI®
Musikunterstützte Sprachanbahnung bei chronischer Aphasie. Aphasie und verwandte Gebiete, 2010.
Jungblut, M., Huber, W.,
Pustelniak, M., Schnitker, R. (2011): Neuronale Korrelate rhythmischer
Strukturen beim Singen - eine fMRT-Studie. Neurologie & Rehabilitation, 17
(1): 33-39.
Jungblut, M., Huber, W., Pustelniak, M. and
Schnitker, R. (2012): The impact of rhythm complexity on brain activation during simple singing - an event-related fMRI study.
Journal of Restorative Neurology and Neuroscience (accepted).
Zur Methode
Diese Behandlungsmethode versteht sich als
Ergänzung der logopädischen/sprachtherapeutischen Arbeit über gezielten
Einsatz der Basiselemente der Sprache und der Musik :
Melodie und Rhythmus.
Durch Aktivierung verbliebener
rechtshemisphärischer Sprachkomponenten wird vom Singen über die Intonation bis zur sprachadäquaten Prosodie auf der Grundlage
physiologischer Atmung ein Zugang zu phonologischen und segmentalen
Fähigkeiten der linken Hemisphäre ermöglicht. Dabei wird besonderer Wert auf
die Verbindung zwischen Klangbild und Artikulationsort gelegt. Einen
wesentlichen Schwerpunkt bildet der schrittweise Übergang von einer metrisch
gleichmäßigen zu einer rhythmisch
gruppierten Vorgehensweise in Zusammenhang mit einem gezielten Einsatz
melodischen Materials.
Unterstützt wird dieses Training mit
spezifischen Rhythmusübungen, die
darauf abzielen, beeinträchtigte Gruppierungs- bzw. Sequenzierungsfähigkeiten
zu verbessern; dies betrifft speziell
auch sprechapraktische Patienten. Weiterhin
werden in gezielten Improvisationen Kommunikationssituationen auch in
musikalischer Form dargestellt, die der Unterstützung kognitiver Leistungen
und der Förderung sozialer Kompetenzen dienen.
Die Behandlung erfolgt sowohl in Einzel- als auch in Gruppentherapien, da sich die
Kombination dieser beiden Therapieformen als besonders wirkungsvoll erwiesen
hat.
Zum Ablauf der Fortbildung
Die
Fortbildung SIPARI®
I-III richtet sich an
Therapeuten aus dem Bereich der neurologischen Rehabilitation, die über
fundierte Kenntnisse zum Thema „Aphasie“
verfügen. Voraussetzung für die Teilnahme an der Fortbildung ist ein
abgeschlossenes Studium der Musiktherapie/Logopädie bzw. Linguistik sowie
mindestens 3 Jahre therapeutische Arbeit mit Aphasiepatienten. Ebenso können
auch Logopäden mit dem Schwerpunkt Aphasietherapie und entsprechender
Berufserfahrung an den Kursen teilnehmen. Wissen über klinische Grundlagen,
Syndromklassifizierungen, Ätiologie, Epidemiologie und Verlauf sowie Begleitsymptome wird vorausgesetzt.
Die
Fortbildung wird in 3 Blockveranstaltungen (SIPARI® I-III)
angeboten, die jeweils an 2 aufeinanderfolgenden Tagen (Fr/Sa) stattfinden
und jeweils ca. 17 Seminareinheiten umfassen. Hier finden Sie das Anmeldeformular.
SIPARI®
I stellt die Einführung in
diesen ressourcenorientierten und übungszentrierten Behandlungsansatz dar.
Grundlegende theoretische Zusammenhänge werden erläutert und die Parallelen
zwischen Sprach- und Musikverarbeitung aufgezeigt. Ein wesentlicher Teil des
Seminars widmet sich dem Kennenlernen musikalischer Wirkmechanismen durch
eigenes Spielen der Seminarteilnehmer/-innen (instrumental und vokal), wobei
musikalische Vorerfahrung nicht unbedingt
vorausgesetzt wird, wohl aber die Bereitschaft, sich offen und aktiv mit dem
Medium Musik auseinander zu setzen. Weiterhin wird die praktische Arbeit mit
Betroffenen vorgestellt, um am Beispiel konkreter Übungssituationen einen
Einblick in das Behandlungsrepertoire zu bekommen.
SIPARI® II beinhaltet die theoretische Erarbeitung
der sechs Komponenten des Behandlungsansatzes, die sowohl unter
neurophysiologischen als auch psychotherapeutischen Gesichtspunkten erfolgt.
Anhand eines Selbsterfahrungsanteils und des
Einsatzes der verschiedenen Komponenten im Umgang mit Betroffenen erfolgt die
Umsetzung in die Praxis.
SIPARI®
III bildet den abschließenden
Qualifizierungs-/Zertifizierungskurs, der in Form einer theoretischen und
praktischen Prüfung (u.a. Falldarstellungen der
einzelnen Teilnehmer/-innen) erfolgt. Bei erfolgreichem Abschluss erfolgt die
Aushändigung eines Zertifikates. Dieses berechtigt drei Jahre lang zur
eigenständigen Anwendung der Behandlungsmethode, allerdings nicht zur
Ausbildung anderer in dieser Methode.
Die
Fortbildung SIPARI®
I-III erfüllt die von den
Spitzenverbänden der Krankenkassen und der Bundesarbeitsgemeinschaft der
Heilmittelverbände e.V. vorgegebenen Kriterien zur Vergabe von
Fortbildungspunkten. Pro Seminar werden 16 Fortbildungspunkte vergeben.
Zur Rezertifizierung und zur Qualitätssicherung werden im
Abstand von 3 Jahren Auffrischungskurse angeboten, die das Wissen der
Teilnehmer auf den aktuellen Stand der Forschung bringen, das
Behandlungsrepertoire entsprechend erweitern, und somit die qualifizierte
Anwendung der Behandlungsmethode in der Praxis sicherstellen. Bei
erfolgreichem Abschluss dieses Kurses erfolgt die Rezertifizierung
der Teilnehmer.
Kosten der Fortbildung
Die 2-tägigen Seminare kosten
jeweils 495,- Euro (incl. Verpflegung tagsüber sowie Skript)
Fortbildungstermine 2012/2013
Die Teilnehmerzahl ist auf 10
Teilnehmer/-innen begrenzt!
SIPARI® I 16./17. März 2012 Essen
SIPARI®
II 15./16.
Juni 2012 Essen
SIPARI®
III 08./09.
Februar 2013 Essen
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